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Interview mit Ron Wood


Der Gitarrist der Rolling Stones gab am 12.12.2001 im Londoner Shepherd´s Bush Empire ein umjubeltes Konzert anlässslich der Vorstellung seines Albums "Not For Beginners" – mit auf der Bühne u.a. Ron´s Kinder Leah und Jesse, die Corrs und Guns´n´Roses-Legende Slash.

Einen Tag vor seinem Konzert konnten wir mit einer kleinen Schar Journalisten mit Woods in Ron´s eigenem Club in Kensington zu Abend essen, ein paar persönliche Fragen stellen und einen überaus sympathischen Superstar ohne Starallüren erleben. Woody ist seitdem Besitzer einer Hendrix-Krawatte aus New Orleans – während Küvi, der übrigens manisch Ron-Wood-Gemälde sammelt, um eben jene Krawatte ärmer ist und trotzdem glücklich...

Dein neues Album heißt "Not for Beginners". Ist das eine Art Aussage, die auf Rockmusiker welcher Generation auch immer usw. abzielt?
Ich denke, "Not for Beginners" ist ein guter Spruch, und es ist schön, einen Albumtitel in der Schwebe zu halten, also erst wollte ich es "After School" nennen, dann "Fantastic Accident", und ich dachte, "Not for Beginners" ist ein guter Titel, weil ich sowieso kein Anfänger bin, und wenn die Leute nicht genug Mumm haben, um es sich anzuhören, haben sie halt noch nicht einmal begonnen.

Eine der Strategien der Rolling Stones in den Sechzigern war Sound gegen ihre Väter und Familien einzusetzen und die Teenager zu selbigem zu bewegen. Wie denkt Jesse über die Situation, heutzutage mit seinem Vater Musik zu machen?
Jesse: Es ist nicht so widersprüchlich, ich spiele mit meinem Dad, ich spiele mit meiner Schwester, es ist eine echt erstaunliche Erfahrung, super, stark ...

Du empfindest keine Gräben zwischen Deinem Vater und Dir was die Musik betrifft?
Jesse nuschelt Negierendes und: Aber das Musikgeschäft läuft heutzutage etwas anders, würde ich sagen.
Ronnie: Was die Familienangelegenheit betrifft, früher haben meine anderen zwei Söhne und ihre Brüder die Produktionen mitgestaltet. Jamie hat diesen Laden, für den der Jüngste, Tyrone, auch arbeitet. Also, ist schon komisch, die bauen die Bühne und den Backstagebereich auf, und wir stehen dann da oben und spielen. Es ist ziemlich Familienangelegenheit.

Wie hat sich Euer Vater benommen? Hat er Euch geschlagen oder bestraft?
Jesse: Oh, ja, dauernd....besonders, wenn ich auf seinen Schallplatten rumgekrochen bin, es war grauenhaft. Nein, niemals. Es war gut zwischen meinem Dad und mir.

Wenn er unterwegs auf Tour war, das waren wohl die besten Zeiten?
Jesse: Nein, nicht wirklich.
Leah: Wir haben ihn vermißt.
Jesse: Natürlich haben wir ihn sehr vermißt.

Oder ist es schwierig, diese Frage zu beantworten, wenn er neben Euch sitzt?
Jesse grinst: Nicht wirklich.
Ronnie: Früher hatten wir noch ein weiteres Familienmitglied, wie wir ihn nannten, den wilden Mann von Borneo. By the way: Wir haben auch Slash in unserer Band. Er ist eine besonders gute Zutat, oder? Er ist ein netter Kerl, und er fügt der Liveshow echte Funken hinzu. Er ist nicht auf "Not for Beginners", muß er aber auch nicht, er hat umso mehr gelernt, es ist so, als ob er mit drauf wär.

Ronnie, es scheint, als basiere Dein neues Album auf drei Konzepten: Rock´ n´ Roll, Liebe und Schöheit?
Ja, obwohl ich keine sehr romantische Person bin... Ich bin sehr romantisch und melodisch. In meinen Liedern mag ich Melodie, und ich werde gerne sehr sentimental und schmusig. Ist die einzige Möglichkeit für mich, sowas anzubieten – durch meine Musik.

Leise, fast optimistisch ist die allgemeine Atmosphäre des Albums manchmal, also frage ich mich, ob es für Dich eine Schiene ist, Dich vom allgemeinen R&R abzunabeln, mit dem Du in Verbindung gebracht wirst?
Es ist sehr komisch, daß das Album am Ende so fließend, melodisch geworden ist. Es gibt ein paar schnellere Passagen drauf, aber aus der Produktion habe ich noch einen Menge Songs abgespeichert, die nicht auf "Not for Beginners" Verwendung fanden, und dann habe ich noch jede Menge R&R, echt heavy. Ich hatte mir gedacht, warum den Fluß stören? Es ist ein netter, stetiger Fluß auf diesem Album, und es paßt recht gut zusammen. Die ganzen Stücke, die ich geschrieben habe, passen gut zusammen. Mein nächstes Album wird mehr Betonung auf total krachigen R&R legen. Wir wissen, daß wir das können, aber es ist schön, mal melodisches Zeug zu machen.

Wirst Du morgen ein paar Deiner neuen Songs vorstellen?
Ja. Wir werden Dir jetzt etwas über dieses kleine Herz erzählen ---- für ihren ersten Song..
Leah Wood: Äääh, was willst Du, was ich erzählen soll?
Naja, das war so, daß ich zu Leah sagte, ich habe diesen Song, und ich würde gerne, daß Du mit drauf singst, sie sagte, uuuh, Dad, Du brauchst mich wirklich nicht als Sängerin bei dem Stück. Naja,ich sagte, probier´s mal, babe.Naja, sie hat mir bei "Leaving Here" und "Wake up with Beauty" ausgeholfen...die drei Songs, bei denen Jesse mitgewirkt hat und ein Haufen seiner Freunde, die den größten Teil der Band ausmachen, Mark, der Bassist, Martin, John Tramper, der Keyboarder. Außerdem haben wir Onkel Vinnie, mit Leah für Background-Vocals. Macht echt Spaß, morgen im Shepherd´s Bush. Unsere alte Freundin Andrea Corr wird da sein, sie wird raufkommen und mitmachen, und es wird schön sein, auch ein paar Mädels dabeizuhaben.

Wegen des Songs "King of Kings", den Du auf dem Album mit Bob Dylan spielst, wie war es, der Dialog zwischen Deiner und seiner Gitarre, war es eher wie Kampf?
Bob schrieb gerade für sein neues Album in meinem Studio in meinem Haus in Irland. Zu der Zeit spielten wir einfach einige der Songs rund. Zu der Zeit hatte er die Worte für "King of Kings", doch wollte er sie mir nicht verraten, also habe ich Bob rumgekriegt, es instrumentell zu spielen, und hinterher sagte er zu mir, Du kannst den Song haben, Woody, und ich sagte, Oh, ok, danke. Also ist es nett, Bob instrumentell vortragen zu lassen, er kann sehr gut Gitarre spielen, und die meisten Leute kennen ihn nur von seiner schlurrigen Stimme oder dieser Harmonika (grins).
Es ist nett, ihm beim Gitarrespielen zuzuhören, so wie wir es auf einem anderem Song auf "Not for Beginners" genannt "Interfere" getan haben, zusammen mit Elvis´ alten Jungs...es ist ein netter Querschnitt der älteren Generation, außerdem zusammen mit der neuen Generation. Echt schön.

Du spielst eines der Stücke einer Deiner früheren Bands, "Leaving Here" von the Birds, und dann spielst Du auch noch "Rock & Roll Star" von den anderen Byrds nach, also gibt es da irgendeine Verbindung?
Das ist ein weiterer "fantastic accident" – fantastischer Zufall. Ich war zufällig im Laden bei mir um die Ecke, und sie spielten gerade das Beste der amerikanischen Byrds, und ich hörte diese Songs aus den Sechzigern, und ich sagte, ist "Rock & Roll Star" auf dem Album, und sie sagten ja, und ich fragte, kann ich es ausleihen und mit nach Hause nehmen, ich bring´s morgen zurück, die Art von Zufall. Früher mochte ich diesen Song der amerikanischen Byrds, und das er jetzt auf meinem Album gelandet ist, ist ziemlich süß, und meine erste Band, The Birds, spielte "Leaving Here", das war ein alter Motown Song, ich glaube von Marvin Gaye, und es wurde sehr darüber hinweggesehen, und man hört es nicht. Aber es ist komisch, The Birds und The Byrds, die, die mein erster Manager verklagt hat wegen Namensklau, als sie einen Hit mit "Tambourine Man" hatten, dieamerikanischen Byrds mit ihrem "Rock & Roll Star". Es ist eine kleine Welt, die irgendwie ein bißchen von der liebenswürdigeren Seite auf dem "Not for Beginners" -Album mit kleinen Häppchen aus der Vergangenheit und neuen Songs.

Warum ein George Harrison Tribut?
George war für mich ein sehr enger Freund, und es ist ein sehr trauriger Verlust für die Musik, er war eine sehr liebenswerte Person. Damals 1974 haben wir zusammen dieses Stück "Far East Man" geschrieben, und glücklicherweise hatte ich einige großartige Musiker und Sänger zur Verfügung, die mich bei diesem Tribute unterstützten, und merkwürdigerweise, Samstagnacht, als wir unseren allerüberhauptersten Auftritt in Dublin hatten, war es zufällig der 21. Jahrestag von John Lennon´s Tod, also spielten wir "Jealous Guy". Wir haben also aus Versehen ein Tribute an zwei tote Beatles gemacht, und ich glaube, es gibt keine andere Band, der so ein Zufall geschieht. Wie dem auch sei, "Far East Man" ist ein schöner Song, und Du wirst ihn morgen hören.

Ist es nicht erschreckend, heutzutage so viele Tribute Shows für Leute zu machen, die verstorben sind?
Ich wußte nicht, daß George sterben würde. Ich wußte nicht, daß letzter Samstag John´s 21. Todestag war. Nein, es ist nicht beängstigend, und es sind großartige Songs, und ich wollte sie sowieso in dem Set unterbringen. Es war ziemlich abgefahren, daß George auch noch tot war, wir wußten, daß John tot war, aber die Songs sind großartig, und die Leute, deren Songs wir spielen, waren ebenso großartig. Es ist eben so, daß sie gut in unsere Show passen.

Ich fragte, weil einige Deiner alten Mitstreiter wie Ronny Lane ebenfalls verstorben sind.
Ja, der ist noch einer in unserem Set, ein Song, den wir zusammen geschrieben haben. Ja, und Rod (Stewart) ist noch am Leben, oder nicht? (gröhl) ...aber wir spielen einen schönen Set mit Songs aus den letzten Jahren bis zum heutigen Tag und decken damit einiges ab.

Wir wissen alle, daß Du nicht nur ein guter Musiker, sondern auch ein anerkannter Maler bist. Wenn Du Deine Musik malen müßtest, welche Farben würdest Du wählen und wie würdest Du sie darstellen?
Ich würde in rot, heiß und blau malen.

Einerseits bist Du ein Mitglied der größten R&R Bands aller Zeiten, spielst vor Zehntausenden, dauernd im Rampenlicht, und andererseits malst Du, eine Tätigkeit, die, wie ich vermute, Du alleine ausübst.
Das ist beim Malen in der Tat notwendig.

Nein, ich meine, repräsentieren diese beiden Aktivitäten zwei Seiten, zwei Extreme Deiner Persönlichkeit?
Naja, ich bin Zwilling und zwei total verschiedene Menschen, Bob Dylan, er ist auch so. Auf eine Weise ist mein malerischer Ausdruck persönlicher Natur, nur ich und die Leinwand, und dann komm ich dazu, Musik mit anderen Musikern und Sängern zu teilen, und ich bin ein Glückspilz, daß ich diese doppelten Ausdrucksformen habe. Ich glaube, daß jeder, der gesegnet ist mit der Fähigkeit, ein oder mehrere Instrumente zu spielen und zudem auch noch malen zu können, sehr viel Glück hat, und auch noch so eine liebe Familie, gesegnet ist. Bitte, fall mir jetzt nicht in den Rücken, Gott. Nein, er hat es echt gut mit mir gemeint.

Apropos Gemälde, stimmt es, daß Du ein Bild von Muhammad Ali und Ground Zero malen willst?
Ground Zero habe ich gemalt, und Du wirst erfreut sein zu hören, daß ich vier oder fünf Bilder gemalt habe, aber das erste davon ist letzte Woche bei Lloyd´s in London für 21.000 Pfund versteigert worden, für die Feuerwehrleute und Polizisten von der Tragödie vom 11. September. Naja, großartig, es hat mich echt plattgemacht, daß es 20.000 erzielt hat, aber es ist ein großartiges Bild. Ali hat noch immer einen großartigen Sinn für Humor, obwohl er heutzutage nicht mehr viel rüberbringt. Er ist fantastisch, und er liebt das erste Bild von ihm aus einer Serie, die ich für ihn gemalt habe, und wir werden sie beide unterzeichnen, wenn sein Film rauskommt mit Will Smith als sein Darsteller aus der Zeit, in der er noch Cassius Clay war. Ich weiß nicht viel über den Film, aber das Großartige ist, daß Ali mein Bild von ihm mag und das befriedigt mich sehr.

Gibt es noch jemanden, den Du noch porträtieren willst?
Oh, ja, haufenweise. Ich werde noch meine Chance bekommen, Tiger Woods zu malen, ich warte darauf, daß er mir in die Hände fällt. Nein, ehrlich, es gibt einen Haufen Leute, die ich noch nicht beackert habe. Es ist eine endlose Quelle der Inspiration, das Malen.

Du hast also gesagt, "Not for Beginners" ist eine Möglichkeit für Dich, Deine Frustation als Komponist zu kontrollieren und auszudrücken. Stimmt es, daß Mick und Keith für einen Musiker der Rolling Stones so frustrierend sind?
Oh, ja, ein Haufen Leute haben die Rolling Stones verlassen, entweder in einem Holzanzug oder frustriert. Mick Taylor war einer der einzigen, die ohne Holzanzug gegangen sind, und auch Bill Wyman, aber sie sind am Ende sehr frustriert gewesen. Ich habe sehr viel Geduld, weil ich jünger als sie bin, ich werde immer der Jüngste sein. Also sag ich, viel Glück. Jagger und Richards sind als Team irgendwie sehr stark, und ich brauchte Jahre, um ein bißchen durchzukommen...nach ein paar Jahren habe ich Richards/Jagger/Wood mit ungefähr zwölf Songs. Ich bin überhaupt nicht frustriert. Soloalben sind sehr gut, um die Sachen auszudrücken, die man mit den Stones nicht so leicht rüberbringen kann, weil sie sowieso schon genug Songs geschrieben haben, also ist das eine schöne Möglichkeit für Dein eigenes Album.

Wie wichtig ist Dir Deine Solokarriere für Dein musikalisches Glück und Wohlbefinden?
Es ist sehr wichtig für mich, da ich nie in die Nähe eines Hits gekommen bin. Für mich ist es großartig, ich war nie da ganz oben, und von dort gibt´s nur einen Weg, und das ist nach unten. Also ist das Großartige für Typen wie mich, daß wir nur nach oben und immer weiter nach oben kommen. Das ist mein siebtes Soloalbum, und hoffentlich verkauft es sich besser als mein sechstes.

Hoffen wir auch, Ron. Wir danken für dieses Gespräch und bitten um einen Gruß an unsere Leser
Danke Euch auch und Grüße nach Germany. Denkt immer dran: Rock´n Roll ist wie Biken: kein Modescheiß, sondern eine Lebenseinstellung.


(Interview aufgezeichnet von Tom Hallek, Übersetzung Edward Schmidt)

(C) 2002 Phoenix-THMV GmbH, Nachdruck auch auszugsweise nur mit Genehmigung


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